Vertrauen üben

Vor vielen Jahren habe ich einmal ein Interview mit dem Dalai Lama gesehen. In diesem Interview wurde er nach seiner Einstellung zu den chinesischen Besatzern in Tibet gefragt. Der Dalai Lama sagte sinngemäß, dass die Chinesen ihm die Möglichkeit geben, eine Übung daraus zu machen, seine Feinde zu lieben. Er sagte, dass es einfach ist, seine Feinde zu lieben, wenn man keine hat ;), nur wenn du Feinde hast, kannst du an ihnen üben, sie zu lieben.

So ähnlich empfinde ich es mit dem Vertrauen. Wenn dein Leben rund und glücklich läuft, wenn es dir und deinen Mitmenschen gut geht, dann ist es leicht Vertrauen zu haben. Wenn Hindernisse auf deinem Weg auftauchen, wenn Zweifel nach oben steigen, wenn du dir Sorgen um dich oder deine Lieben machst, dann kommen sehr viele unruhige Anteile ans Licht. Du kannst ihnen folgen oder du kannst eine neue Wahl treffen.

Gerade in Situationen die nicht einfach sind, gerade in Situationen in denen du dir Sorgen machst, kannst du dich immer wieder neu entscheiden. Möchtest du den Zweifeln und der Stimme der Angst folgen oder wählst du die Stimme des Vertrauens? Zu vertrauen bedeutet, ja dazu zu sagen, dass du eine Situation im Moment schwierig findest und dass du mit deinem kleinen Selbst darin gerade keinen Sinn erkennen kannst. Zu vertrauen bedeutet, darauf zu vertrauen, dass alles was geschieht auf einer tieferen Ebene Sinn hat und dass es aus einer größeren Perspektive für dich selbst oder für einen anderen Menschen und dessen Entwicklung das Beste ist.

Vertrauen ist eine Entscheidung, die du immer wieder neu treffen und üben kannst. Wenn viele unruhige, besorgte Anteile in dir da sind, dann gib ihnen Halt. Setze dich in die Stille, leg dir die Hände auf den Bauch oder auf dein Herz, lass deinen Atem kommen und gehen, wenn du magst, höre schöne Musik, sei deinen unruhigen Anteilen eine liebevolle Mama. Lass sie da sein, gib ihnen Halt und lass dich mit jedem Atemzug tiefer in dich sinken. Gib dir die Zeit die notwendig ist. Entscheide dich zu vertrauen und bitte um Hilfe dabei.

Wie geht es dir gerade? Traust du dich, zu vertrauen? Je häufiger du ins Vertrauen gehst umso stärker kannst du eine Kraft spüren, die dich gerade in schwierigen Zeiten trägt. Nimm sie wahr. Und wenn du dich um Angehörige sorgst, vertraue darauf, dass auch sie innere Weisheit und Führung und einen oder mehrere Engel an ihrer Seite haben. Vertraue darauf, dass sie ihren Weg finden und gehen. Auch für sie kannst du um Hilfe und Unterstützung bitten.